TuS Leitbild – Was geht mich das an?

Presse
Vorab:
Dies ist ausnahmsweise mal kein Beitrag, in dem es um sportliche Erfolge, Kurse oder bevorstehende Veranstaltungen geht. Es gibt keine bunten Bilder von TuS-Sportlern sondern „nur“ Text. Es geht um ein Thema, welches – hoffentlich nicht nur – dem Vorstand des TuS sehr am Herzen liegt. Es würde uns – den Vorstand – freuen, wenn Ihr die folgenden Zeilen aufmerksam lest. Insbesondere legen wir Wert auf Eure Meinungen und Erfahrungen als Mitglieder des TuS zum Thema „Leitbild“. Daher vorab: bitte teilt uns diese mit! Kommentiert den Artikel hie rauf der Website, sendet uns eine E-Mail an vorstand@tus-breitscheid.de oder sprecht uns gerne direkt und persönlich an.
Viele kennen das aus dem Berufsleben: Firmen geben sich ein „Leitbild“, handeln nachhaltig, ökologisch, ethisch. Professionell ausformulierte Prosa schmückt Webseiten und – hübsch gerahmt – Besprechungszimmer in den Geschäftsräumen.
Auch unser TuS Breitscheid hat ein Leitbild, welches sich gut versteckt unter https://www.tus-breitscheid.de/ueber-uns. Man muss schon gezielt auf dieser Website suchen, um das TuS-Leitbild zu finden und es bleibt zu vermuten, dass die allermeisten TuS-Mitglieder es nicht kennen. Da stellt sich die Frage: braucht unser Verein dann überhaupt ein Leitbild? Würde wohl kaum einer bemerken, wenn der Webmaster es still und heimlich entfernen würde. Bevor Ihr (hoffentlich) darüber nachdenkt, hier zunächst einmal die drei Absätze, um die es geht:
Wir vermitteln Werte und soziale Verantwortung
Wir bieten Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Hautfarbe, Herkunft, sexueller Orientierung und sozialem Status die Möglichkeit, mit uns gemeinsam Sport zu treiben und soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Dabei vermitteln wir insbesondere Kindern und Jugendlichen von Beginn an die im Sport und im gesellschaftlichen Zusammenleben wichtigen Werte Fair Play, Teamgeist, Disziplin, Toleranz und Zusammenhalt. Gewalt in jeder Form lehnen wir entschieden ab.
Toleranz und Integration​
Toleranz, gegenseitiger Respekt und Zivilcourage sind Grundlage unseres Denkens und Handelns. Rassistische, sexistische, homophobe und andere diskriminierende Ansichten haben bei uns keinen Platz. Extremismus, egal ob von links oder rechts, zeigen wir die „Rote Karte“.
Ökologische Verantwortung
​Wir stellen uns unserer ökologischen Verantwortung und handeln nachhaltig und ressourcenschonend. Wir berücksichtigen die Auswirkungen unseres Handelns auf die Umwelt.
Nochmal die Frage: braucht der TuS das? Sind das nicht Selbstverständlichkeiten? Hübsch ausformulierte Prosa ohne praktische Wirkung im täglichen Vereinsleben?
Stelle Dir vor, da komm ein(e) Neue(r) zum Training, der/die sich offen dazu bekennt, homosexuell zu sein. Nach ein, zwei Trainingseinheiten macht Dein Vereinskollege, mit dem Du seit Jahren eng befreundet bist eindeutig homophobe Witze über den / die „Neue(n)“. Zeigst Du die „Rote Karte“? Sagst Du eindeutig, dass dies nichts mit Fair Play, Teamgeist, Toleranz und Zusammenhalt zu tun hat und dem TuS-Leitbild klar entgegensteht?
Wir erfahren aus den Medien regelmäßig von politischen fragwürdigen oder auch rassistischen Äußerungen im Sport. Fußballspieler salutieren, andere werden wegen Ihrer Hautfarbe so sehr beleidigt, dass dies zu Spielunterbrechungen führt. Mannschaften gehen während oder nach dem Spiel aufeinander los. Schiedsrichter werden krankenhausreif geschlagen. „Das ist doch beim TuS noch nie vorgekommen“, magst Du jetzt denken. Gut so, aber es ist die Verantwortung aller TuS-Mitglieder, also auch Deine, dass dies so bleibt!
Was das konkret heißt? Keine Angst, niemand muss das TuS-Leitbild jetzt auswendig lernen. Wichtig aber ist es, dies zu verinnerlichen und zu respektieren, also – um zum anfänglichen Beispiel zurückzukehren – auch einem guten Freund die Rote Karte zu zeigen und ihn darauf hinzuweisen, dass diskriminierende Äußerungen im TuS nichts verloren haben.
Von Niclas Bock, einem der prominentesten TuS-Mitglieder, erreichte den Vorstand folgende, sehr persönliche Mail zu diesem Thema:
Liebe Sportsfreunde,
Vor 23 Jahren habe ich beim TuS, unter Anleitung von Trainerlegende Peter Versondert, das Fußballspielen gelernt. Mit sechs Jahren stand ich mit ein paar anderen Jungs auf dem (damals noch) Ascheplatz und keiner von uns wusste so richtig, was er da tut. Mit Fußball hatte das alles nichts zu tun. Aber Peter hat uns vermittelt, worum es im Sport geht: Fairness, Teamplay, gemeinsam Erfolge feiern, gemeinsam Niederlagen verkraften. Geschafft hat er das mit den richtigen Worten, Einfühlungsvermögen und einem guten Draht zu uns.
Einige Jahre später, als ich 14 Jahre alt war, stand ich selbst als Trainer auf’m Platz. Mit einem älteren Sportskollegen habe ich eine Bambini-Truppe bis zur E-Jugend begleitet. Uns ging es stets darum, dass die Jungs verstehen, worauf es im Sport ankommt: Fairness, Teamplay, gemeinsam Erfolge feiern, gemeinsam Niederlagen verkraften. Geschafft haben wir das mit den richtigen Worten, Einfühlungsvermögen und einem guten Draht zu den Jungs und auch dem ständigen und respektvollen Austausch mit den Eltern.
Während meiner fußballerischen Stationen, als Spieler und als Trainer, habe ich gelernt mit Menschen umzugehen, die ganz unterschiedliche Geschichten erlebt hatten. Ich erinnere mich an Mitspieler von der Flüchtlingsunterkunft am Sondert, die kaum ein Wort Deutsch gesprochen oder verstanden haben – der Fußball und die große Hingabe der Trainer haben aber ein funktionierendes Miteinander ermöglicht. Ich erinnere mich auch an einen Mitspieler, der zwar mit ADHS zu kämpfen hatte, der aber trotzdem ein fester Bestandteil unseres Teams war. Ausgrenzung habe ich nie erlebt und egal, wie schwierig es war einen „Spielertypen“ in die Mannschaft zu integrieren, gemeinsam haben wir es geschafft.
Meine zweite sportliche Karriere begann ebenfalls beim TuS. Vom Fußballplatz bin ich zum Triathlon gewechselt. Durch das Engagement des Vereins, und vor allem des damaligen Nachwuchscoachs Georg Mantyk, habe ich es bis zum Profisportler geschafft und durfte nationale und internationale Erfolge feiern. Ich werde es dem Verein nie vergessen, mir diesen Weg bereitet zu haben, der mir in meinem Leben die schönsten und unvergesslichsten Momente ermöglicht hat.
Als ich mit 16 Jahren von den Fußballern zu den Triathleten gewechselt bin, konnte ich weder vernünftig Schwimmen, noch Radfahren oder Laufen. Ich hatte keine Ahnung über den Sport und bis zur ersten Trainingseinheit kannte ich auch keine einzige Person aus der Tria-Abteilung. Was habe ich erlebt? Ich wurde offen aufgenommen, Georg und all die anderen Athleten haben mir den Sport erklärt und mich von Anfang an als ein Teil von ihnen behandelt. Ein tolles Gefühl, das ich im Sport – auch in anderen Vereinen und Gemeinschaften – immer wieder erlebt habe.
Der TuS hat eine wesentliche Rolle in meiner persönlichen Entwicklung gespielt und neben den angesprochenen Werten von Teamplay, Fairness, dem gemeinsamen Erleben von Siegen und Niederlagen, habe ich beim TuS auch gelernt, dass wir als Sportler und Menschen eine Verantwortung gegenüber Sportskollegen und anderen Menschen haben, ihnen eine Gemeinschaft und ihnen vielleicht auch ein Stück Heimat zu bieten. Wir haben allerdings auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die zum Beispiel dann gefragt ist, wenn sich Sport und politische Gesinnung vermischen.
Und diese Verantwortung beginnt meiner Meinung nach genau dann, wenn wir mitbekommen, dass andere Menschen offenkundig Mitglieder radikaler Parteien oder Gruppierungen sind. Diese Menschen sind für ein friedliches Miteinander aus mehreren Gründen gefährlich und mit ihren Ansichten leider auch nicht mit einem TuS vereinbar, wie ich ihn kenne.
Allerdings habe ich beim TuS gelernt, dass man Menschen und Mitglieder von Randgruppen nicht ausgrenzen oder ausschließen sollte. Es ist eine schwierige Aufgabe, der man sich aber stellen sollte: Wenn es im Verein Menschen gibt, die radikale Ansichten verbreiten oder teilen, dann muss mit diesen Menschen gesprochen werden. Welche Probleme hat der- oder diejenige? Welche Bedenken trägt er in sich? Wie ist seine Weltsicht? Gleichzeitig muss der TuS solchen Mitgliedern eindeutig klar machen, dass Extremismus in jedweder Form in unserem Verein nichts zu suchen hat.
Daher meine Bitte an alle Mitglieder des TuS Breitscheids: Bleibt offenherzig und sprecht miteinander. Radikale Ansichten passen nicht zu unserem Verein und haben keinen Platz zwischen Teamplay, Fairness und den Werten und Normen, für die wir als TuS-Sportler stehen.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und sportliche Grüße,
Niclas Bock
Als TuS-Mitglied sollst Du dich darauf verlassen können, dass unser Verein das Leitbild ernst nimmt und dass Du ebensolche Erfahrungen in und mit dem TuS machen kannst wie Niclas. Der Verein bist (auch) Du. Daher erwartet der TuS umgekehrt von Dir als Mitglied, dass Du unser Leitbild kennst und respektierst.
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